Die große Zeit Spaniens war vom Ende des 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Die spanische politische Vorherrschaft in Europa hielt nicht so lange, aber der Reichtum, der nach der Entdeckung und Eroberung Amerikas und Ozeaniens aus der Neuen Welt ins Mutterland floß, war anhaltend unermeßlich und bewirkte - unter anderem - eine außerordentliche Blüte sämtlicher Künste. Die Spanier nennen diese anderthalb Jahrhunderte ihr Goldenes Zeitalter. Für uns ist es das Zeitalter des spanischen Barock. Achtung, manche Kenner Spaniens sagen, Spanien sei überhaupt barock und Barock sei Spanien: Prunkvolle, theatralische, wildbewegte, unübersichtliche, ekstatische Fassaden - und dahinter, keineswegs versteckt, sondern eben prächtig angekündigt, das Grinsen des Todes, die Fratze des Teufels oder zumindest das bleiche Gesicht eines schmerzgepeinigten Büßers: das habe jeder zu erwarten, der sich auf Spanien einlasse. In den sechs Erzählungen dieses zweisprachigen Taschenbuches kommt das nicht mit aller Wucht zum Ausdruck. Jede für sich genommen ist ansprechend und unterhaltsam. Aber ein wenig bestürzend sind manche von ihnen schon! Und jedenfalls ergeben sie ein für viele Deutsche ziemlich neues - eben: ein barockes - Bild von Spanien. Ein Nachwort des Literaturwissenschaftlers Arturo del Hoyo stellt interessante Zusammenhänge her.
